Donaukurier und Google Street View
Unsere Lokalzeitung “Donaukurier” läuft ja momentan Sturm gegen Googles “Street View” – es vergeht fast kein Tag, an dem nichts darüber berichtet wird. Es gibt sogar eine eigene Unterseite auf deren Homepage zu diesem Thema.
Schaut man sich als internet-affiner Mensch die Homepage des Donaukuriers allerdings genauer an, wird man folgendes feststellen:
Einerseits predigt man Datenschutz und “hetzt” regelrecht gegen Google Street View, nutzt aber selbst Googles umstrittenes Web-Analyse-Tool “Google-Analytics” (sehr interessanter Wikipedia-Artikel) zur Aufzeichnung / Zählung / Auswertung der Homepagebesucher.
Google bekommt somit von allen Besuchern der DK-Homepage diverse Informationen:
- Internet-Einwahlpunkt (Standort)
- Internet-Service-Provider (z. B. Telekom, 1und1, freenet…)
- Betriebssystem + Browser
- Bildschirmauflösung
- Flash- und Java-Unterstützung
- u.v.m.
Und natürlich auch (wofür der Dienst ja eigentlich gedacht ist) folgende Informationen:
- welche DK-Seiten wie lange betrachtet wurden
- wie man genau auf die Seite des DKs gekommen ist (direkt, per Suchbegriff “asdf” über Suchmaschine “jklö” oder per Link “http://asdf.invalid”)
Außerdem wird von Google Analytics ein Cookie gesetzt, womit der Besucher bei einem späteren Seitenaufruf von Google wieder identifiziert werden kann.
An und für sich erscheint das ja nicht weiter schlimm – es ist aber nicht auszuschließen, das Google diese Daten mit anderen Informationen anderer Seiten (die ebenfalls Analytics einsetzen) kombiniert und somit “Nutzerprofile” anlegen kann, die Rückschlüsse auf das Surfverhalten der Einzelpersonen ziehen lassen!
Betrachtet man die Seiten des DKs weiter, fallen diverse aktive Inhalte fremder Anbieter auf (z. B. zur Einblendung der Werbung), die es Dritten ermöglichen, ebenfalls Daten über den Homepage-Besucher sammeln zu können:
- twing.com (???)
- twitter.com (Kurznachrichtendienst)
- adlink.net (Werbung)
- nuggad.net (Werbung)
- adtoma.com (Werbung)
- ivwbox.de (Analyse-Tool für Werbung)
- brightcove.com (???)
- doubleclick.net (gehört zu Google)
Dies ist jetzt nicht spezifisch für die Internetseiten des Donaukuriers – viele Seiten benutzen Google Analytics zur Zählung / Analyse der Besucherzahlen (auch ich) oder binden über aktive Inhalte Werbung anderer Seiten ein.
Es erscheint aber mehr als nur absurd, ständig gegen die Datensammlung von Google zu propagieren, selbst aber zahlreichen solcher Unternehmen zur Profilerstellung aus Nutzerdaten zu verhelfen.
Wer im Glashaus sitzt…
Update: Ausführlicherer Artikel zum Download
Update: Leserbrief vomm 21. April in stadtzeitung.in / blickpunkt.in zum Download
Update: Auch sehr interessant: Prof. Dr. Thomas Grauschopf (FH Ingolstadt) über Datensammel- und Profilingtechniken im Web, es wird auch die Homepage des Donaukuriers unter die Lupe genommen
Update: Leserbrief und Blog-Eintrag haben offenbar gefruchtet, die Homepage des Donaukurier ist nun frei von Google-Analytics. Allerdings stellt sich für mich die Frage, ob beim DK die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut…
Update: Auch prostreetview berichtet über meinen Artikel / Leserbrief
18. April 2010 | von Markus
Kategorie:
Nachtrag: soeben als Leserbrief an Donaukurier (mal schauen wie selbstkritisch die sind), süddeutsche und FAZ geschickt.
Hi Markus,
toller Beitrag!
Was man als eingebundener Datensammler übrigens noch an Informationen kriegt:
- Spracheinstellung des Browsers (bevorzugte Locales)
- Referrer (von welcher Seite der User kommt)
- Browsing-History (CSS-Bug von FF)
- JavaScript-Unterstützung
- IP und Hostname natürlich
Hier wird also nicht nur Wasser gepredigt und Wein getrunken, sondern vielmehr ein aktiver Beitrag geleistet, dem gläsernen Nutzer die Hosen runterzuziehen!
Sauber sog i!
Schöne Grüße
Martin
Eine Lobbyallianz der Verlage unterzeichnete im Juni 2009 die “Hamburger Erklärung”. Diese fordert ein weitgehendes Leistungsschutzrecht um Newsaggregatoren wie z.b. google einer ist, in eine gesetzlich geregelten und mahnbaren Abgabe ihrer Erträge zu verpflichten.
Seit dieser Positionierung des DK´s wird gegen Google regelrecht gehetzt. Selber betrieb man während die Anti-Google-Aktion schon begann, eine Webcam mit Blick auf die Donaustraße und den Außenbereich vom Mohrenkopf. Also schlimmer als Google mit Streetview nutzte man eine nicht weithin erkennbare Livecam mit blickwinkel auf alle Leute die dort einen Kaffee oder Bier trinken…
Ernst zu nehmen ist das ganze eigentlich nicht mehr, nur das Spielen mit der Angst der Bürger kann einen nur anekeln…
Würde man diese Aktion gegen einen Fressfeind der Verlagsrendite wahrhaft führen wollen, muss man auch Smartphones und iPhones verbieten, diese bieten Möglichkeiten die weit über google streetview hinausgehen.
Ein Leistungsschutzrecht ist gandenlos abzulehnen, denn die Subventionierung des Steinkohleabbaus war vergleichbar erfolgreich…
Nachtrag: Leserbrief am 21.04. in stadtzeitung.in / blickpunkt.in